Hebammenbetreuung bei und nach Fehlgeburt:
Warum jede Familie Anspruch auf Begleitung hat

"Ich wusste gar nicht, dass ich auch nach meiner Fehlgeburt Anspruch auf eine Hebamme gehabt hätte." Diesen Satz hören wir immer wieder.

Viele Frauen erfahren erst lange nach ihrer Fehlgeburt, dass ihnen Hebammenleistungen zugestanden hätten. Einige begegnen dieser Information zufällig. Andere sogar erst in einer Folgeschwangerschaft. Dabei hätte die Begleitung einen Unterschied machen können. 

Sie hätte den betroffenen Familien nicht den Schmerz genommen, doch es wäre jemand da gewesen, der erklärt, zuhört und Sicherheit gibt. 

Eine Hebamme begleitet schließlich nicht nur die Geburt eines lebenden Kindes. Sie begleitet Frauen und Familien auch dann, wenn ein Kind während der Schwangerschaft verstorben ist. Denn jede Familie hat das Recht auf Begleitung.

Zu jeder Schwangerschaft gehört eine Geburt 

Eine Fehlgeburt beendet eine Schwangerschaft. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Körper der Frau eine Geburt erlebt. Wenn auch viel zu früh. 

Vielleicht mit Wehen. Vielleicht innerhalb weniger Stunden oder über mehrere Tage. 

Jede Fehlgeburt verläuft anders. 

Doch unabhängig davon, wie lange die Schwangerschaft gedauert hat, beginnt der Körper einen Prozess des Abschieds. 

Viele Frauen hören nach der Diagnose zunächst medizinische Begriffe: "Missed Abortion", "Ausschabung" oder "Abort". 

Was oft unausgesprochen bleibt, ist etwas anderes, etwas Wichtiges:  

Zu jeder Schwangerschaft gehört eine Geburt. Und zu jeder Geburt gehört ein Wochenbett. 

Dieses Wissen verändert nichts am frühen Tod des Kindes. Es hilft jedoch, den eigenen Körper besser zu verstehen. 

Eine Hebamme begleitet mehr als eine Geburt 

Viele Menschen verbinden Hebammen mit einer glücklichen Geburt und dem ersten Kennenlernen des Kindes. Doch Hebammen begleiten weit mehr als diese Momente. 

Sie begleiten Frauen. Auch dann, wenn eine Schwangerschaft anders endet als erhofft. 

Hebammen erklären, was im Körper geschieht, und beantworten Fragen zu Beschwerden oder Unsicherheiten. 

Sie begleiten den Entscheidungsprozess – unabhängig davon, ob die Geburt zu Hause, in einer Klinik oder nach einer medikamentösen Einleitung stattfindet. 

Hebammen unterstützen ebenso im Wochenbett. 

Sie erkennen, wann körperliche Veränderungen normal sind und wann ärztliche Unterstützung wichtig wird. 

Und manchmal tun sie etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt: Sie bleiben. Gerade dann, wenn vieles im Leben plötzlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. 

Nach jeder Geburt beginnt ein Wochenbett 

Viele Frauen erzählen uns ebenfalls: "Ich wusste gar nicht, dass auch ich ein Wochenbett hatte.

Dabei beginnt mit jeder Geburt eine Zeit der körperlichen Umstellung: Die Gebärmutter bildet sich zurück, und der Hormonhaushalt verändert sich. 

Es kann zu Blutungen kommen. 

Und während der Körper heilt, trauern sie gleichzeitig um ihr Kind. 

Beides geschieht oft gleichzeitig. 

Eine Hebamme begleitet genau diese Zeit. Denn sie hilft dabei, die Veränderungen einzuordnen. Und sie erinnert daran, dass auch der eigene Körper Fürsorge verdient. 

Niemand muss diesen Weg allein gehen 

Vielleicht hast du die Diagnose gerade erst erhalten. 

Vielleicht liegt deine Fehlgeburt schon einige Zeit zurück. 

Oder vielleicht fragst du dich gerade, ob eine Hebamme dich überhaupt noch begleiten kann. 

Was auch immer dich im Moment beschäftigt: Du musst die Antworten nicht allein finden. 

Je nachdem, was du gerade brauchst, findest du bei uns unterschiedliche Möglichkeiten der Unterstützung. 

Hebammensprechstunde 

Du hast Fragen zu deinem Körper, zur Geburt oder zum Wochenbett nach einer Fehlgeburt? 

In unserer Hebammensprechstunde findest du Zeit für deine Fragen und Orientierung für deinen persönlichen Weg. Auch außerhalb der üblichen zeitbegrenzten Hebammensprechzeiten.  

→  Mehr zur Hebammensprechstunde 

 

Selbsthilfegruppe „Kleine Geburten“ 

Manchmal hilft es, mit Menschen zu sprechen, die Ähnliches erlebt haben. 

Unsere Online-Selbsthilfegruppe "Kleine Geburten" bietet einen geschützten Raum für deine Geschichte. 

→  Zu den Terminen der Selbsthilfegruppe 

 

Erfahrungsberichte in unserem Magazin 

Betroffene, die noch nicht bereit sind, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen, kann es helfen, Erfahrungsberichte von anderen zu lesen. 

In einem unserer Magazinartikel sind zwei sehr unterschiedliche Erlebnisberichte beschrieben, die zeigen, wie wertvoll Aufklärung, gute Begleitung und ausreichend Raum und Zeit sind.

→  Zum Artikel "Fehlgeburt: Welche Möglichkeiten habe ich nach der Diagnose?" 

 

Fehlgeburtsflyer 

Du möchtest Informationen lieber erst einmal in Ruhe lesen? 

In unserem Flyer findest du Informationen zum Thema Fehlgeburt und Zeit nach danach verständlich zusammengefasst. 

→  Flyer ansehen

 

Nicht jede Familie braucht das Gleiche. Aber jede Familie sollte wissen, welche Möglichkeiten sie hat. 

Und vor allem darf jede Familie gut informiert und selbstbestimmt ihren ganz persönlichen Weg gehen und hierbei die Erfahrung machen – wir sind nicht allein.