Fehlgeburt: Welche Möglichkeiten habe ich nach der Diagnose?

Eine Fehlgeburt verändert alles. Von einem Moment auf den anderen. Viele Frauen und ihre Familien erleben die Diagnose “Das Herz schlägt nicht mehr” als Schock. Sie fühlen sich überfordert, traurig und oft auch allein. Gleichzeitig müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Was passiert jetzt? Muss ich sofort in die Klinik? Darf ich warten? Gibt es Alternativen zur Ausschabung? Kann mich eine Hebamme begleiten?

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, doch es gibt mehrere Möglichkeiten. Und es gibt das Recht auf Informationen, Zeit und Begleitung.

Annas Erfahrung: Wenn nach der Diagnose Begleitung und Informationen fehlen 

Anna ist schwanger. Schneller als erwartet. Geplant und gewünscht und gleichzeitig überraschend. Die Nachricht kam während einer Dienstreise. Im Hotel.  

Fünf Wochen weiß Anna, dass sie ein Kind erwartet. 

Fünf Wochen voller Fragen, Hoffnung, Ängste, Zweifeln, wie das Leben werden soll mit Baby. 

Dann setzt eine Blutung ein. 

Erst ein bisschen, dann mehr. 

Ein Ultraschalltermin gibt Gewissheit. Die Diagnose: “Missed abortion”. Davon hat Anna noch nie gehört. Was ist das? Eine Fehlgeburt. 

Anna erhält eine Überweisung in die Klinik. Eine Ausschabung ist nach dem Wochenende geplant. Es ist Freitagmittag. 

Mehr Informationen bekommt sie nicht. 

Sie sitzt allein da. Noch schwanger und doch irgendwie nicht mehr.  

Anna versucht, im Internet Antworten zu finden. Sie liest Wörter wie Abrasio, Blutung, Fehlgeburt, Frühabort, Einleitung. 

Von Geburt liest sie nichts.  

Von Anspruch auf Begleitung auch nicht.  

Sie liest viele Worte. Alle überfordern. 

Die Tage vergehen. 

Am Sonntagabend wird die Blutung stärker. Anna ruft in der Klinik an. Erzählt. Der Termin für die Ausschabung ist ja morgen.  

Ach, das ist gut, dann wird die OP einfacher”, bekommt Anna gesagt.  

Mehr nicht. 

Die Blutung wird noch stärker. Anna geht duschen. 

Sie blutet stark. Sie hat Schmerzen.

Sie erlebt eine Geburt, eine kleine Geburt. Sie gebärt ihr Kind, ohne es zu wissen.

Anna verspürt einen Druck, ein Ziehen, ein inneres Zerreißen. Die Fruchthöhle und ihr Kind werden geboren.

Anna spült es weg – ihr Kind. Darauf war sie nicht vorbereitet. Sie ist vollkommen ahnungslos, denn das hat ihr niemand erklärt. Anna ist alleine - unbegleitet. 

Erschöpft geht sie schlafen. 

Morgen ist ja der Termin. “Die wissen schon, was sie machen” - mit diesem Gedanken schläft Anna ein. 

Der Wecker klingelt. Aufstehen, anziehen, losfahren. Nüchtern muss sie sein. 

In der Klinik folgt ein automatisierter Ablauf. Anna wird nicht befragt. Es geht in den OP. 

Im OP- Bericht steht später: “Es war wenig Gewebe im Uterus vorhanden.” 

Anna fährt nach Hause. Nicht mehr schwanger.  

Und mit vielen Fragen, die unbeantwortet geblieben sind.

Maries Erfahrung: Nach der Diagnose Fehlgeburt einfach abwarten 

Marie ist schwanger. Geplant. Gehofft und gebangt. Mit großer Freude erwartet. 

Übelkeit zieht ein.  

Der Test klar positiv. 

Beim ersten Ultraschall schlägt das kleine Herz. 

Übelkeit zieht aus. 

Beim nächsten Ultraschall ist kein Herzschlag mehr sichtbar. 

Die Diagnose trifft sie, doch Marie will warten. Sie möchte gebären, ihrem Körper und sich selbst Zeit geben. 

Die Ärztin gibt ihr Zeit. Zunächst. 

Gleichzeitig sucht Marie Kontakt zu einer Hebamme. 

Eine Woche vergeht. Nichts passiert. 

Zwei Wochen. Noch immer nichts. 

Die Gespräche mit der Ärztin werden schwieriger. Marie erlebt ihre Empfehlungen als drängend. Sie spürt Unsicherheit und Angst. 

Dabei wünscht sie sich selbst etwas anderes: Zeit. Marie möchte abwarten.  

Drei Wochen. Es passiert immer noch nichts.  

Die Ärztin in der Klinik spricht inzwischen von Gefahr, klärt über Risiken auf – aus Angst. Doch Marie hätte gern Informationen, die zu ihrer Situation passen. 

Marie möchte weiter warten und geht nach Hause. Gegen den ärztlichen Rat, dafür mit dem Vertrauen in ihren Körper und mit dem Gefühl, ihren eigenen Weg gehen zu dürfen. 

Nach vier Wochen beginnt die Geburt. Langsam. 

Eine Hebamme begleitet und unterstützt sie.  

Ihr Partner ist an ihrer Seite. 

Marie ist vorbereitet, auf alles. 

Die Geburt findet zu Hause statt. Es blutet, es schmerzt. Marie gebärt selbstbestimmt. 

Sie und ihr Mann nehmen ihr Kind und die Fruchthöhle entgegen. Sie staunen, spüren Stolz und Trauer zugleich. Damit haben sie nicht gerechnet. 

Sie halten inne und verabschieden sich. 

Dann suchen sie einen stimmigen Ort – für sich und ihr Kind – und beerdigen es.

Jede Fehlgeburt ist anders 

Vielleicht erkennst du dich in Anna wieder. 

Vielleicht in Marie. 

Vielleicht sieht deine Geschichte ganz anders aus. 

Es geht nicht darum, welcher Weg der “mutigere” oder “bessere” ist. 

Es geht darum, dass es dein Weg sein darf und du weißt, dass du nicht alleine bist.  

Es geht darum, dass du aufgeklärt bist - angstfrei - auf deine Situation zugeschnitten, dass du eine fundierte Entscheidung treffen darfst und dafür Zeit hast.  

Es geht darum, dass du weißt, dass du von einer Hebamme begleitet werden kannst und medizinische Anweisungen ablehnen darfst. 

Zu jeder Schwangerschaft gehört eine Geburt, egal wie lange die Schwangerschaft gedauert hat. 

Welche Möglichkeiten gibt es nach einer Fehlgeburt? 

Grundsätzlich gibt es drei Wege: 

  1. Abwarten: Dem Körper Zeit geben und die Geburt natürlich geschehen lassen
  2. Medikamentöse Einleitung: Medikamenten unterstützen den Körper dabei, die Geburt zu beginnen
  3. Medizinischer Eingriff: Eine Ausschabung oder andere operative Behandlung 

Jeder dieser Wege kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. 

Jeder Weg hat Vorteile und mögliche Risiken. 

Jede Frau erlebt ihre Situation anders. 

Deshalb ist es wichtig, dass alle Wege erklärt werden. 

Niemand muss diese Entscheidung allein treffen 

Viele Frauen wissen nicht, dass sie auch nach einer frühen Fehlgeburt Anspruch auf eine Begleitung haben. Hebammen können Familien auch nach einer frühen Fehlgeburt begleiten. Sie können informieren, unterstützen und Sicherheit geben. 

Auch Gynäkolog:innen, Fachpersonal in Kliniken und Beratungsstellen können wichtige Ansprechpartner:innen sein. 

Du kannst auch uns kontaktieren. Bei “Unsere Sternenkinder Hessen” verstehen wir uns als Wegweiser. Wir helfen, Familien Möglichkeiten zu verstehen, individuelle Antworten zu finden und unterstützen im Entscheidungsprozess. 

Manchmal braucht es einfach jemanden, der zuhört und Orientierung gibt. 

Du darfst Fragen stellen. Du darfst dir Zeit nehmen. 

Du bist die Expertin deines Lebens und du hast die Fähigkeit, die für dich richtige Entscheidung zu treffen.  

Um an die für dich wichtigen, vorurteilsfreien Informationen zu gelangen, darfst du Fragen stellen. Du darfst Empfehlungen hinterfragen. Und du darfst dir Zeit nehmen.   

Nicht zuletzt sollte im und nach dem Moment der Diagnose einer Fehlgeburt niemand allein und Unsicherheiten ausgesetzt sein. Eine Entscheidung darf niemals vorgegeben, sondern immer empathisch fundiert begleitet und selbstbestimmt getroffen werden.

Was du jetzt brauchst, kann ganz unterschiedlich sein

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