„Ich kenne dieses Gefühl.“ Manchmal reicht ein Satz wie dieser, um sich verstanden und weniger allein zu fühlen.
Nach dem Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in den ersten Lebenswochen erleben viele Familien, wie schwer es ist, Menschen zu finden, die wirklich nachvollziehen können. Freunde und Angehörige möchten oft unterstützen. Dennoch bleibt oft das Gefühl, mit der eigenen Trauer allein zu sein.
Genau hier beginnt für viele Sternenkind-Familien die Bedeutung von Selbsthilfe.
Selbsthilfe: Ein Raum für Menschen mit ähnlichen Erfahrungen
Die Selbsthilfe ist Ursprung und tragende Säule von Unsere Sternenkinder Hessen e.V. (vormals Rhein Main).
Im Jahr 2017 gründete ein Elternpaar nach dem Tod seines Kindes eine Selbsthilfegruppe in Offenbach am Main. Ihr Wunsch war es, sich mit anderen betroffenen Familien auszutauschen. Mit Menschen, die ebenfalls den frühen Tod ihres Kindes erlebt haben.
Doch was bedeutet Selbsthilfe in diesem Fall?
Selbsthilfe bedeutet, dass sich Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, begegnen und durch den Austausch spüren, nicht allein zu sein mit allem, was sie erleben, denken, fühlen und welche Reaktionen ihnen begegnen. Sie ist ein sicherer Raum, in dem alle Gefühle, Erinnerungen und Hoffnungen erlaubt sind – ohne Angst vor Verurteilung oder Wertung.
Bei uns betrifft dies Eltern, Geschwister, Großeltern und andere Angehörige, die ein Kind während der Schwangerschaft, durch eine Fehlgeburt, stille Geburt, Totgeburt oder in der ersten Lebenszeit verabschieden mussten.
Die gemeinsame Erfahrung schafft oft etwas, das sich nur schwer beschreiben lässt: das Gefühl, nicht alles erklären zu müssen.
Selbsthilfe kann viele Formen haben
Jeder Mensch trauert anders.
Einige Eltern möchten über ihr Kind sprechen. Andere hören zunächst lieber zu. Einige kommen kurz nach dem Tod ihres Kindes/ihrer Kinder in eine Gruppe, andere erst Monate oder Jahre später. Deshalb gibt es nicht den einen Weg der Selbsthilfe, sondern immer nur den Eigenen.
Dabei kann Selbsthilfe unterschiedliche Formen annehmen – je nachdem, was sich in der jeweiligen Lebenssituation stimmig anfühlt. Bei Unsere Sternenkinder Hessen geschieht dies vor allem durch Selbsthilfegruppen und Patenschaften.
Selbsthilfegruppen: Gemeinsam Raum schaffen
Für viele Menschen ist die Begegnung mit anderen betroffenen Familien ein wichtiger Teil ihres Weges. In unseren Selbsthilfegruppen kommen Eltern, Großeltern und Geschwister zusammen, die den Verlust eines Kindes erlebt haben. Die Treffen bieten Raum für Austausch, Erinnerungen, Fragen und Gedanken, die im Alltag oft nur wenig Platz finden.Dabei geht es nicht darum, Lösungen zu finden oder Erwartungen zu erfüllen. Jede Person darf so teilnehmen, wie es für sie passend ist.
→ Mehr über unsere Selbsthilfegruppen erfahren
Patenschaften: Begleitung von Mensch zu Mensch
Nicht jede trauernde Mutter, nicht jeder Vater oder Großelternteil möchte an einer Gruppe teilnehmen. Manche Menschen wünschen sich einen persönlichen Kontakt zu jemandem, der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat und zuhören kann.
Unsere Patenschaften schaffen genau diesen Raum.
Hier begegnen sich Menschen auf Augenhöhe. Aus der gemeinsamen Erfahrung kann eine Verbindung entstehen, die Orientierung, Verständnis und Begleitung ermöglicht. Oft ist es hilfreich zu wissen, dass jemand da ist, der bestimmte Gedanken oder Gefühle kennt, ohne dass viel erklärt werden muss.
Die Begegnungen sind so individuell wie die Menschen selbst. Es gibt kein festes Tempo und keine Erwartungen. Jedoch einen Raum zum Sein.
→ Mehr über unsere Patenschaften erfahren
Eine Gemeinschaft, die trägt
Bei uns darf Trauer sichtbar sein. Mit all seinen Erinnerungen. Auch Hoffnung, Freude oder Zuversicht können ausgesprochen werden, ohne dass dies im Widerspruch zur Liebe zum verstorbenen Kind steht.
Aus Begegnungen entstehen nicht selten tragende Verbindungen. Einige begleiten die Sternenkind-Familien über viele Jahre hinweg.
Selbsthilfe bedeutet deshalb nicht nur Austausch. Sie bedeutet auch Gemeinschaft, Orientierung und gegenseitige Unterstützung auf einem Weg, der für jede Familie anders aussieht. Und sie lebt von Mitgefühl, Offenheit, Mut, sich mit anderen zu zeigen, und der Erfahrung, dass niemand seinen Weg allein gehen muss.
Und manchmal beginnt diese Verbindung ganz leise – bei einer Tasse Tee in der Gruppe, dem ersten Telefonat mit dem Patenmenschen oder dem Gefühl: Ich darf einfach sein.
Fragen zu unseren Selbsthilfegruppen, zu Patenschaften oder zur Gründung einer neuen Gruppe können an unsere Ehrenamtskoordinatorin Claire Lerner gerichtet werden. Eine Mail an: claire@unsere-sternenkinder-hessen.de genügt.
Manchmal entsteht Orientierung nämlich genau dort, wo jemand zuhört. Gemeinsam können wir unseren verstorbenen Kindern Raum geben, einander Halt schenken und uns gegenseitig durch schwere Momente tragen und begleiten.
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