„Trauer bedeutet, in eine Krise einzutauchen, die mich verändern wird,
auf eine Weise, die niemand vorhersagen kann.“
Elke Loepthien-Gerwert
Es gibt ein Davor
Es gibt ein Leben davor – daran erinnere ich mich gerne.
Dann gibt es ein Jetzt – unaushaltbar.
Tausende Gedanken jagen durch den Kopf, doch keiner lässt sich greifen.
Das Gefühl steckt im Herzen fest. Steckt fest – und löst sich nicht.
Alles zieht sich nach innen.
Ich tauche ab.
Bewegung in der Erstarrung
Was hilft, ist das Gehen.
Laufen und weinen. Weiterlaufen, weiterweinen.
Laufen, bis keine Träne mehr kommt – und dann noch ein Stück weiter.
Dann: Pause.
Atmen.
Das Herz atmet ein kleines Stück auf.
Ich tauche wieder auf.
Das Jetzt ist noch da – aber: aushaltbar.
Wie Trauer wirklich aussieht
Trauernde weinen, das ist doch klar.
Trauernde tragen schwarz.
Trauernde besuchen regelmäßig den Friedhof.
Oder etwa nicht?
Von außen lässt sich kaum erkennen, wer gerade trauert – und wer nicht.
Denn das, was gesellschaftlich oft als Trauer verstanden wird – Tränen, Rückzug, Rituale – ist nur ein kleiner Teil.
Trauer ist ein Pendel
Trauer ist kein Zustand.
Sie ist Bewegung.
Ein Pendel – in unterschiedlicher Wucht, Geschwindigkeit und Dauer.
Manchmal kommt sie mit Wellen, manchmal mit Sturm, manchmal mit Stille.
Sie hat viele Farben, viele Gesichter.
Nie ist vorhersehbar, mit welchem sie sich als Nächstes zeigen wird.
Was Trauer wirklich will
Trauer will nicht klein machen.
Sie will wachsen lassen.
Sie drückt nieder – ja.
Aber sie öffnet auch.
Langsam. Unerwartet. Still.
Und manchmal, wenn ihre Wucht sich legt, bleibt etwas zurück:
Ein Regenbogen der Gefühle.
Ein Lichtstreif am Horizont.
Ein neuer Blick auf das Leben.
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